EZB-Nachlese

Unsere Volkswirte, Marktteilnehmer und Journalisten, mit denen ich sprach: Alle interpretierten die EZB-Pressekonferenz gestern als taubenhaft. Die EZB scheint der Meinung zu sein, dass ein Konjunktureinbruch inflationsdämpfend wirkt. In der Folge preist der Markt etwas weniger EZB-Zinserhöhungen ein als zuvor (Abbildung). Das ist keine gute Nachricht für Europas Gemeinschaftswährung.

Dennoch litt der EUR-USD-Wechselkurs nicht großartig. Vor den EZB-Nachrichten gab EUR-USD zwar sichtbar nach, allerdings war das eher Ausdruck einer leichten Erholung des Greenbacks und war in anderen USD-Kursen ebenfalls zu beobachten. Die EUR-idiosynkratische EUR-USD-Schwäche während und nach der Pressekonferenz war hingegen moderat. EUR-USD handelt, während ich diese Zeilen schreibe, nur knapp unter Parität. Warum?

Ich interpretiere die Marktreaktion als Beleg für meine These, dass mittlerweile die Zentralbanken an sich nicht mehr der entscheidende Unsicherheitsfaktor für die Marktteilnehmer sind.

Ende 2021 und in der ersten Jahreshälfte 2022 wusste niemand, wie die Zentralbanken auf steigende Inflation reagieren würden. Im Ökonomen-Sprech: Ihre Reaktionsfunktion in dem neuen Inflations-Umfeld war nach Jahren niedriger Inflation unbekannt. Das hat sich geändert. Und damit auch die Quelle der Unsicherheit. Wie meine ich das?

Auch heute sind Leitzinsen (und andere geldpolitische Maßnahmen) für den Devisenmarkt relevant. Aber mittlerweile kann man besser verstehen, wie die Zentralbanken auf Inflations-Nachrichten reagieren. Klar, gestern klang EZB-Präsidentin Christine Lagarde etwas taubenhafter, als man erwarten durfte. Dennoch, die Frage, was Zentralbanken bei höherer oder niedrigerer Inflation tun, ist besser zu beantworten als zu Beginn des Inflationsschocks.

Doch damit ist die Unsicherheit nicht verschwunden. Denn wir wissen ja immer noch nicht, ob die Inflationsraten in den verschiedenen Währungsräumen weiter steigen oder wieder fallen. Alle Prognosen dazu (egal, ob von Zentralbanken oder anderen) waren in der Vergangenheit so falsch, dass Marktteilnehmer besser daran tun, überhaupt nichts mehr zu glauben.

Deshalb nützt es nichts, die Reaktionsfunktionen der Zentralbanken besser zu verstehen. Wenn man nicht weiß, welche Argumente man in die Funktionen einfügen muss, ist man nicht schlauer. Nur eines hat sich geändert: Nicht mehr die Zentralbank-Kommunikationen, sondern die Daten zu Inflationsentwicklungen sind nun die “Hingucker”.

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Die BoJ bleibt standhaft

Tja, diejenigen, die nicht nur eine geldpolitische Wende der Bank von Japan (BoJ) geweissagt hatten, sondern das gleich mit schrecklichen Folgen für Japan und die Welt insgesamt ausschmückten, wurden zumindest heute wieder mal enttäuscht. Die BoJ hält eisern an ihrem ultra-expansiven Kurs fest.

Halt so, wie sie immer versprochen hatte. Seit vielen Jahren sagt sie:

The Bank will continue expanding the monetary base until the year-on-year rate of increase in the observed CPI (all items less fresh food) exceeds the price stability target of 2 percent and stays above the target in a stable manner.

Und den jetzigen Inflationsschock sieht sie halt nicht als “stable manner” an. Das kann sich ändern. Eines Tages könnte sie – bei entsprechendem Inflationsverlauf und bei entsprechender Aussicht – ihre ultra-expansive Geldpolitik ändern. Aber nicht, weil das Finanzministerium in letzter Zeit gegen allzu schnelle JPY-Abwertung interveniert hat.

Dass zumindest die letzte dieser Interventionen scheinbar so gut funktioniert hat, ist freilich eher der Tatsache zu verdanken, dass der US-Dollar allgemein von seinen starken Niveaus abgeben musste. Aber ein wenig Glück gehört halt auch dazu, wenn man interveniert.

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Der Devisenmarkt wächst weiter

Alle drei Jahre bittet die BIS die Zentralbanken dieser Welt, jeweils im April die FX-Umsätze der heimischen Banken zu erfragen. Im FX-OTC-Markt ist das die einzige verlässliche Messung des Volumens. Jetzt haben die Baseler Banker das Ergebnis vom April dieses Jahres veröffentlicht.

Gegenüber 2019 hat das Volumen der gehandelten Devisen deutlich zugelegt. Von rund 6,5 Billionen $ auf 7,5 Billionen. Wie 2019 finden 88% der Transaktionen in USD statt, also nur 12% in Cross-Rates. Der Renminbi ist nur in 7% der Transaktionen berührt – ein erschreckend niedriger Wert angesichts der Tatsache, dass China die (je nach Rechenart) zweitgrößte oder größte Volkswirtschaft der Welt und der größte Außenhändler ist.

Und wo ich gerade den Spielverderber spiele: Ganz so beeindruckend sind Größe und Wachstum des Devisenmarktes nicht. Zieht man die Kurs-neutralen (bzw.: nicht Liquidität erzeugenden) Swaps ab, hat der Devisenmarkt “nur” noch eine Größe von 3,6 Billionen $ und ist in den letzten drei Jahren nicht um 14% gewachsen, sondern “nur” um 9%.

Darum sollte die Inflation vorerst hartnäckig hoch bleiben!

Nach dem großen EZB-Zinsschritt von 75 Basispunkten Anfang September hoffen viele Anleger, dass das Thema Inflation allmählich seinen Schrecken verlieren wird. Wie zeigen Ihnen, warum Experten schätzen, dass die Inflation dennoch hartnäckig hoch bleiben sollte und wie Sie in diesem Umfeld investieren können.

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