Die wichtigsten Nachrichten kommentiert: Noch ein volatiles Jahr für die Ölpreise; Gaspreise fallen dank mildem Wetter // Unterschiedliche Performance der Edelmetalle in 2022; schwache chinesische Goldimporte // China beschließt Exportsteuer auf Primäraluminium; Indonesien führt nächstes Verbot von Metallerzen ein; Metallverarbeitungsindustrie in China fährt kurzfristig Produktion runter

Thema der Woche: Die Macht der OPEC+ – mehr Schein als Sein?

Der Brentölpreis hat sich seit seinem Dezember-Tief um gut 10 US-Dollar verteuert. Damit notiert er jedoch noch immer etwas niedriger als unmittelbar vor der Sitzung der OPEC+ Anfang Oktober, bei der das Kartell eine signifikante Produktionskürzung beschlossen hatte. Kurz nach der Sitzung war der Preis noch bis auf gut 98 USD je Barrel gestiegen, doch ab November ging es fast stetig abwärts. Der Brentölpreis fiel zeitweise sogar bis auf knapp unter 76 USD je Barrel. Ihr Ziel, einen weiteren Preisverfall zu verhindern – so muss man wohl konstatieren – hat die OPEC+ verfehlt.

Die Frage stellt sich, warum der Beschluss der OPEC+, dem Kartell der weltweit wichtigsten Ölfördernden Länder, keinen nachhaltigeren Effekt auf den Ölpreis hatte.

Klar, die effektive Produktionskürzung ist erheblich geringer als das offizielle Kürzungsziel von 2 Mio. Barrel pro Tag. Wir haben an dieser Stelle vielfach auf die Gründe hierfür hingewiesen . Allerdings könnte man annehmen, dass die OPEC+ Länder beschließen, ihre Produktion noch stärker zurückzufahren, um einen erneuten Preisverfall zu verhindern. Sofern das Ziel der OPEC+, den Ölpreis zu stabilisieren, glaubwürdig ist, sollte allein die Gefahr eines solchen Schrittes niedrigere Preise verhindern.

Der Preisrückgang nur wenige Wochen nach der Oktober-Sitzung der OPEC+ ist insofern ein Zeichen dafür, dass der Markt nicht daran glaubt, dass das Ölkartell in der Lage ist, den Ölpreis zu steuern. In der Tat: in der wissenschaftlichen Literatur lässt sich kein klarer Schluss hinsichtlich dem Einfluss der OPEC auf den Ölpreis finden. Einige Studien weisen gar darauf hin, dass die OPEC gar nicht als Kartell agiert (siehe etwa: Alhajji und Huetnner (2000)), sondern lediglich der Anschein erweckt wird, die Produktionsentscheidungen der einzelnen Länder wären koordiniert. Hinzukommt, dass sich die Dynamik am Ölmarkt seit dem Aufstieg der US-Schieferölindustrie deutlich verschoben hat. Im Jahr 2018 lösten die USA Saudi-Arabien als weltweit größten Ölproduzenten ab. Drei Jahre später lag ihr Anteil an der weltweiten Ölproduktion laut Daten der EIA bereits bei 20%, fast doppelt so hoch wie der Anteil Saudi Arabiens und Russlands, der sich jeweils auf 11% belief1. Laut Berk und Çam (2019) ist die Marktmacht der OPEC entsprechend seit 2014 erheblich geschrumpft und der Ölmarkt insgesamt wettbewerbsintensiver geworden. Dies erklärt laut den Autoren mitunter, weshalb der Ölpreis sich auch nach Produktionskürzungen seitens der OPEC+ im Jahr 2017 nicht auf die Niveaus von vor 2014 erholt hatte.

Unter der Annahme, dass der Ölmarkt weit wettbewerbsintensiver (geworden) ist, als die Existenz des Ölkartells OPEC+ nahelegt, sollte der Ölpreis auf Veränderungen der Nachfrage sensibler reagieren als in einem Oligopol zu erwarten wäre. Dass dies tatsächlich der Fall ist, suggeriert der seit der großen Finanzkrise engere Zusammenlauf des Ölpreises mit den marktbasierten langfristigen Inflationserwartungen. So liefern Sussmana und Zohar (2022) Hinweise darauf, dass diese Korrelation auf einen gemeinsamen Treiber, und zwar die globale Gesamtnachfrage, zurückzuführen ist. Dies erklärt auch, weshalb eine Korrelation zwischen dem Preisniveau von Öl und der Teuerungsrate der Konsumentenpreise, also der Veränderungsrate eines Preisniveaus, besteht. Die Autoren argumentieren, dass der Ölpreis Informationen über die Einschätzung der globalen Nachfrage enthält, die wiederum relevant für das Formen der Inflationserwartungen der Marktteilnehmer ist.

Eine naheliegende Erklärung für den jüngsten Ölpreisrückgang ist demnach, dass sich die Nachfrageaussichten eingetrübt haben, was sowohl den Ölpreis als auch die Inflationserwartungen drückt. Und in der Tat lässt sich feststellen, dass die Inflationserwartungen (auf Basis der Inflationsswaps) – etwa für die USA – seit November rückläufig sind. Der Grund dürfte in dem jüngst deutlichen Rückgang der US-Inflationsrate liegen, welcher die Zuversicht am Markt hinsichtlich der Wirkung der restriktiven Geldpolitik der großen Notenbanken gestärkt hat.

Für die weitere Entwicklung des Ölpreises bedeutet dies, dass der globale Konjunkturausblick eine weit wichtigere Rolle spielen wird als die Produktionsentscheidungen der OPEC+ Länder. Sobald eine wirtschaftliche Erholung in den wichtigsten Wirtschaftsräumen absehbar wird, dürfte der Brentölpreis wieder in Richtung 100 USD je Barrel steigen. Dies ist unserer Einschätzung nach in etwa ab dem zweiten Quartal dieses Jahres zu erwarten. Die Bewegung dürfte nicht zuletzt durch die stark abgeschmolzenen Ölreserven der Industrienationen gestützt werden. Gleichzeitig soll das nicht heißen, dass die OPEC+ keinerlei Einfluss auf den Ölpreis hat. Laut Quint und Venditti (2020) ist dieser jedoch moderat. Ihrer Analyse zufolge hoben Produktionskürzungen der OPEC+ Länder den Ölpreis zwischen den Jahren 2014 und 2017 um lediglich 4 USD. Die geringere Produktion der OPEC+ Länder dürfte daher sicherlich zu einem Preisanstieg beitragen, aber wohl nicht der entscheidende Treiber sein.

1) je nach Abgrenzung kann der Marktanteil variieren. Siehe z.B. alternativ BP Statistical Review of World Energy 2022. Der Vorsprung der USA gegenüber Saudi Arabien und Russland reduziert sich zudem, wenn man lediglich die Rohölproduktion betrachtet.

Produktidee: Faktor-Optionsscheine

WKN Typ Basiswert Merkmale
SQ03VW Long Oil Brent Future Faktor: 10
SH2G4P Short Oil Brent Future Faktor: -10
Die Darstellung der genannten Produkte erfolgt lediglich in Kurzform.
Die maßgeblichen Produktinformationen stehen im Internet unter https://sg-zertifikate.de zur Verfügung. Den Basisprospekt sowie die Endgültigen Bedingungen und die Basisinformationsblätter erhalten Sie bei Klick auf die WKN.
Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

Energie

  • Die Ölpreise beendeten das Jahr 2022 nach einer beachtlichen Berg- und Talfahrt leicht im Plus. Brent verteuerte sich im Jahresverlauf um 10,5%, WTI um knapp 7%. Zeitweise hatten die Ölpreise aber schon mehr als 60% im Plus gelegen, selbst wenn man die Preisspitze Anfang März ausklammert. Dies ist auch deswegen bemerkenswert, da die Ölpreise das vorangegangene Jahr bereits mit einem stattlichen Zuwachs von mehr als 50% abgeschlossen hatten. Die deutlichen Gewinne in der ersten Jahreshälfte schmolzen aber im weiteren Jahresverlauf dahin. Zeitweise lagen die Preise Anfang Dezember sogar unter dem Jahreseinstandsniveau. Denn die Angebotssorgen im Zuge des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, die die Preise in den ersten sechs Monaten stark hatten steigen lassen, wurden ab dem Sommer mehr und mehr von Nachfragesorgen verdrängt. Zwischen dem Jahreshoch Anfang März und dem Jahrestief neun Monate später lagen rund 60 USD, womit die Preisspanne sogar noch etwas größer war als im turbulenten Corona-Jahr 2020 (ausgenommen der kurzzeitig negative WTI-Ölpreis im April 2020).
  • Die Rohstoffmärkte blieben gestern aufgrund von Feiertagen weitgehend geschlossen. Eine Ausnahme bildete europäisches Erdgas, dessen Preis weiter zurückging, nachdem es Ende Dezember bereits auf den niedrigsten Stand seit Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine im Februar 2022 gefallen war. Der nächstfällige Terminkontrakt für TTF an der ICE rutschte gestern zwischenzeitlich bis auf gut 70 EUR je MWh, wobei das Handelsvolumen aufgrund der feiertagsbedingten Abwesenheit vieler Marktteilnehmer gering war. Für Abgabedruck sorgen die ungewöhnlich milden Wintertemperaturen in weiten Teilen Europas, die Wettervorhersagen zufolge noch bis Ende nächster Woche anhalten sollen. Die Heiznachfrage dürfte daher gedämpft bleiben. Der Füllstand der deutschen Gasvorräte stieg in den letzten Dezembertagen Daten von GIE zufolge aufgrund der überdurchschnittlich warmen Witterung entgegen der Jahreszeit wieder auf 90%. EU-weit stieg er wenn auch nur geringfügig auf gut 83%. Damit verringert sich das Risiko eines Gasmangels am Ende des Winters. Gleichzeitig verbessern sich die Aussichten, dass die Gasvorräte auch am Ende des Winters noch auf einem Niveau liegen, das auch ohne russische Pipelinegaslieferungen ein Wiederauffüllen der Vorräte für den darauffolgenden Winter ermöglicht. Ansonsten könnten dafür deutlich höhere Preise erforderlich sein. Es hängt somit viel davon ab, wie sich das Wetter in den kommenden beiden Monaten entwickelt. Ein Kälteeinbruch könnte die Preise schnell wieder steigen lassen.

Produktidee: Faktor-Optionsscheine

WKN Typ Basiswert Merkmale
SQ0RGW Long Oil WTI Light Crude Future Faktor: 10
SQ3W96 Long Oil WTI Light Crude Future Faktor: -10
SQ48WF Long Natural Gas Future Faktor: 5
SN5C7H Long Natural Gas Future Faktor: -5
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Edelmetalle

  • Die Edelmetalle verzeichneten im zu Ende gegangenen Jahr eine höchst unterschiedliche Performance. Der Goldpreis beendete das Jahr dank einer beeindruckenden Erholung im Schlussquartal nahezu auf dem Jahreseinstandsniveau. Silber und Platin verzeichneten im Jahresvergleich Zuwächse von 2,8% bzw. knapp 11%. Palladium verlor dagegen knapp 6% an Wert. Im Jahr 2021 hatten alle vier Edelmetalle deutliche Verluste erlitten. Angesichts des beträchtlichen Gegenwinds durch die kräftigen Zinserhöhungen der Notenbanken, allem voran der Fed, war die Preisentwicklung von Gold, Silber und Platin im vergangenen Jahr damit beachtlich. Allerdings kam es im Jahresverlauf zu erheblichen Schwankungen. Zwischen dem Jahreshoch und -tief lagen bei Gold rund 450 USD oder 28%, bei Silber 9,4 USD oder mehr als 50% und bei Platin 360 USD oder 44%. Bei Palladium war die Spanne mit fast 1.800 USD besonders groß, womit das Jahreshoch und gleichzeitig auch Rekordhoch mehr als doppelt so hoch war wie das Tief. Letzteres wurde bei Palladium erst am Jahresende verzeichnet, bei Gold, Platin und Silber dagegen schon im September. Die Jahreshochs wurden dagegen allesamt nahezu zeitgleich Anfang März kurz nach Beginn des russischen Angriffskrieges in der Ukraine verzeichnet.
  • China hat im November so wenig Gold aus Hongkong importiert wie zuletzt vor sechs Monaten. Die Netto-Goldimporte Chinas beliefen sich laut Daten der Statistikbehörde von Hongkong auf lediglich 16,849 Tonnen. Damit waren die Lieferungen bereits den dritten Monat in Folge rückläufig. Als Bremsklotz erwiesen sich erneut die im November noch geltenden Covid-Beschränkungen. Dazu kamen die stark gestiegenen Preise. Der Goldpreis hatte im November mehr als 8% zugelegt und damit den stärksten Monatsgewinn seit Juli 2020 verzeichnet. Dazu mussten in China noch Aufschläge von bis zu 30 USD auf den Weltmarktpreis gezahlt werden, was aber etwas weniger war als im Oktober. Die Schweiz hatte im November ebenfalls weniger Gold nach China und Hongkong geliefert, wie Daten der Schweizer Zollbehörde zeigten. Offen bleibt, wie sich die im Dezember erfolgten weitgehenden Lockerungen der Corona-Beschränkungen in China auf die Goldimporte auswirken werden. Die stark gestiegenen Infektionszahlen könnten die Aktivität zwar kurzfristig bremsen. Allerdings besteht eine berechtigte Aussicht auf Besserung im weiteren Jahresverlauf.

Produktidee: Faktor-Optionsscheine

WKN Typ Basiswert Merkmale
SF5DDU Long Gold Future Faktor: 5
SF5DDD Short Gold Future Faktor: -5
SN4ZYH Long Silver Future Faktor: 5
SH3N6M Short Silver Future Faktor: -5
SH83ZM Long Platinum Future Faktor: 5
SQ6E0P Short Platinum Future Faktor: -5
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Neu: Hebelprodukte auf Palladium

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