HSBC Daily Trading
 

 

Saisonalität: DER Hoffnungsschimmer für 2022

Nicht fehlen bei der abschließenden Beurteilung der Perspektiven des Währungspaars darf die Analyse zyklischer Einflussfaktoren. Angelehnt an den US-Präsidentschaftszyklus untersuchen wir deshalb das typische Ablaufmuster in Zwischenwahljahren der USA. Dabei stellen wir die Entwicklung aus Sicht des US-Dollars dar. Um es vorwegzunehmen: Der Faktor „Saisonlität“ sorgt für den Silberstreif des neuen Jahres. Gemessen am typischen Verlauf von US-Zwischenwahljahren startet der Greenback zwar freundlich ins neue Jahr, doch wird schon bald ein zyklisches Hoch ausgebildet. Auf einen ersten USD-Abwärtstrend bis Anfang Mai folgen erneute Kursavancen des Greenback, sodass im Juni nochmals die Jahresauftaktnotierung überschritten wird. Letztlich gestaltet sich das erste Halbjahr als volatiles Nullsummenspiel, ehe sich die US-Valuta in der zweiten Jahreshälfte dann mit einem deutlichen saisonalen Gegenwind konfrontiert sieht (siehe Chart). Ein erneuter USD-Schwächeanfall ab Ende November sorgt in der historischen Betrachtung sogar für einen Schlusskurs auf Jahrestief. Zudem fallen acht von zwölf US-Zwischenwahljahren aus USD-Sicht negativ aus. Aufgrund der angeschlagenen charttechnischen Situation kann der Euro diesen saisonalen Rückenwind im neuen Jahr gut gebrauchen.

USD/EUR (Daily)

Chart USD/EUR
Quelle: Macrobond. HSBC / 5-Jahreschart im Anhang
 

5-Jahreschart USD/EUR

Chart USD/EUR
Quelle: Refinitiv, tradesignal²



Ein bemerkenswerter Konter!

Da wir bei der saisonalen Betrachtung den Blickwinkel bereits umgekehrt haben, behalten wir diese Perspektive bei und kommen im nächsten Schritt zur Analyse des USD-Index. Dieser spiegelt die Entwicklung des Greenbacks im Vergleich zu den sechs wichtigsten Handelswährungen EUR, GBP, JPY, CHF, CAD und SEK wider. Auch hier starten wir zunächst mit der Analyse einer hohen Zeitebene. So verdeutlicht der Jahreschart, was für die US-Valuta vor 12 Monatsfrist alles auf dem Spiel stand, denn die Gefahr einer Toppbildung war seinerzeit absolut real. Das führt uns gleich zu einem entscheidenden Aspekt: Die jüngsten beiden Jahreskerzen weisen nicht nur fast identische Kerzenkörper auf, sie verfügen auch über fast deckungsgleiche Lows bei 90/89 Punkten. Zusammen mit den Hoch- und Tiefpunkten der letzten 13 Jahre sowie einem Fibonacci-Cluster aus zwei unterschiedlichen Retracements bei 91/90 Punkten entsteht auf diesem Niveau eine lehrbuchmäßige Kumulationsunterstützung (siehe Chart). Da ein Bruch dieser Bastion nach wie vor eine Topbildung des USD-Index vervollständigen würde, sollten Anleger*innen die strategische Tragweite dieser Zone im Hinterkopf abspeichern.

USD-Index (Annually)

Chart USD-Index
Quelle: Refinitiv, tradesignal² / 5-Jahreschart im Anhang
 

5-Jahreschart USD-Index

Chart USD-Index
Quelle: Refinitiv, tradesignal²



Langfristige Schiebezone: „make or break“

In den letzten gut 20 Jahren hat die herausgearbeitete Schlüsselzone in schöner Regelmäßigkeit als Unterstützung bzw. als Widerstand gewirkt. Diese Tatsache unterstreicht nochmals wie wichtig der Gegenangriff der USD-Bullen des letzten Jahres war. Charttechnisch reicht dieser exakt bis in den Dunstkreis des massiven Kreuzwiderstands aus dem Aufwärtstrend seit 2011 und der 50%-Korrektur des Baisseimpulses von 2001 bis 2008 (jeweils bei 96 Punkten). Der Monatschart, wo seit Ende 2021 eine abgeschlossene, untere Umkehr vorliegt, unterstreicht die Bedeutung der herausgearbeiteten Trigger. Um aus der Bodenbildung weiter Kapital schlagen zu können, bedarf es einer Rückkehr in den ehemaligen Aufwärtstrend (auf Monatsbasis bei 97 Punkten), denn dann wären auch die gleitenden Durchschnitte der letzten 38 bzw. 90 Monate (akt. jeweils bei 95 Punkten) zurückerobert. Rückenwind erhält der USD-Index dabei von synchronen, neuen Einstiegssignalen seitens des MACD und des Aroon. Als Lohn der Mühen winken im Erfolgsfall wieder dreistellige Notierungen bzw. ein Anlauf auf die Hochs von 2016/17 und 2020 bei 103/104 Punkten. Doch dieser Kursverlauf besitzt noch eine weitere Dimension: Der Chartverlauf seit Ende 2014 stellt letztlich eine große Tradingrange dar (siehe Chart).

USD-Index (Monthly)

Chart USD-Index
Quelle: Refinitiv, tradesignal² / 5-Jahreschart im Anhang



CoT: Commercials mit geringer EUR-Shortposition

Eine letzte Randnotiz zum USD-Index: Die aktuelle Notierung befindet sich ziemlich genau in der Mitte der beschriebenen Schiebezone. Durch die strategische Brille betrachtet, ergibt eine ganz große Weichenstellung deshalb erst bei einem Ausbruch aus dieser Tradingrange – die Begrenzungen bei 88 bzw. 104 Punkten definieren also extrem wichtige, langfristige Leitplanken! Als letztes blicken wir auf den Commitment of Traders-Report. Bei den von der US-Aufsichtsbehörde CFTC wöchentlich publizierten Daten haben die tendenziell „besser liegenden“ Commercials ihre EUR-Netto-Shortposition praktisch während des gesamten Jahres 2021 zurückgefahren (siehe Chart). Per Saldo stehen die Commercials sogar kurz vor der Demarkationslinie von null – sprich einem Wechsel auf die EUR-Longseite. Im zuvor erwähnten USD-Index liegt spiegelbildlich bereits eine deutlich Netto-Shortposition vor. Unter dem Strich erhält der Euro zum US-Dollar von Seiten der CFTC-Daten eine gewisse Unterstützung. Möglicherweise passt dieser Chart damit recht gut zum saisonalen Verlauf des typischen US-Zwischenwahljahres (siehe oben). Ein Wechsel der „Commercials“ auf die EUR-Longseite würde einer möglichen Bodenbildung der europäischen Einheitswährung im Verlauf des Jahres 2022 deutlichen Nachdruck verleihen.

EUR/USD (Weekly)

Chart EUR/USD
Quelle: Macrobond, CFTC, HSBC / 5-Jahreschart im Anhang
 

5-Jahreschart EUR/USD

Chart EUR/USD
Quelle: Refinitiv, tradesignal²



Schlussplädoyer

Der Euro geht im Vergleich zum US-Dollar mit einer deutlichen, charttechnischen Schlagseite in das neue Jahr. Das entscheidende Stichwort lautet dabei: „Rückfall in den alten Baissetrend“! Interessant sind die im Durchschnitt recht optimistischen fundamentalen Jahresprognosen. Da keine Vorhersage zudem einen EUR-Rückgang auf unter 1,10 USD vorsieht, liefert dieser Betrachtungswinkel einen Fingerzeig auf mögliche Überraschungspotentiale 2022. Mit Blick auf das technische Kursziel von 1,0850 USD könnte dieser „wunde Punkt“ recht früh im Jahr einer Belastungsprobe unterzogen werden. Mit Blick auf das saisonale Verlaufsmuster des US-Zwischenwahljahres ist danach aber eher Entspannung angesagt. Besonders die 2. Jahreshälfte dürfte im Zeichen einer EUR-Erholung stehen. Charttechnisch hat die europäische Einheitswährung für eine nachhaltige Perspektive aber das „dicke Brett“ bei 1,15/1,16 USD zu bohren. „Sicher ist, dass nichts sicher ist. Selbst das nicht!“ Dieses Zitat von Joachim Ringelnatz sollte Anleger trotz dieses gut begründbaren Basisszenarios ermahnen, unseren Jahresfahrplan immer wieder kritisch zu überprüfen. Mit unseren unterjährigen Analysen im „HSBC Daily Trading“ versuchen wir Ihnen zusätzliche „Sicherheit“ zu geben.

EUR/USD (Monthly)

Chart EUR/USD
Quelle: Refinitiv, tradesignal² / 5-Jahreschart im Anhang



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