Kernpositionen in konventionellen Staats- und Unternehmensanleihen sind weiterhin wichtige Bestandteile eines breit gestreuten Portfolios. ETF (1) -Anleger greifen mittlerweile jedoch auch vermehrt auf unterschiedliche Segmente der Anleihemärkte zurück, um andere Ziele zu erreichen. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2021 zogen inflationsgebundene Produkte und ETFs auf Indizes, die Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG-Faktoren) (2) berücksichtigen, das größte Interesse auf sich. Mit Blick auf 2022 dürften die Zinsentwicklung, die Inflation und die Zentralbankpolitik maßgeblichen Einfluss auf die Durations- und Kreditrisikopositionierung (3) der Anleger haben. Gleichzeitig rechnen wir mit einer noch größeren Nachfrage nach ESG-ETFs und spezialisierteren Produkten zur Ergänzung herkömmlicher Anleihepositionen.

Fundamentaldaten als Ausgangspunkt

Im Anleihenbereich haben Einschätzungen zur Entwicklung wichtiger makroökonomischer Variablen wie Wachstum, Inflation und Zinsen großen Einfluss auf die Wahl der Anlagen. Durch ihr Festhalten an einer lockeren Geldpolitik, um den Auswirkungen der Pandemie entgegenzuwirken, hat die US-Notenbank (Fed) den Anlegern diese Entscheidung in den letzten Jahren leichter gemacht. Wie es diesbezüglich künftig weitergeht, ist jedoch alles andere als sicher. Im Vergleich zu normaleren wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ist weniger klar, wie sich eine Drosselung der Wertpapierkäufe („Tapering“) oder etwaige Zinserhöhungen auf Inflation und Wachstum auswirken werden – geschweige denn auf die Anleiherenditen. Derartige Schritte könnten zu einer Abflachung der Zinsstrukturkurve (4) führen, wenn der Markt beginnt, eine Wachstumsabschwächung und einen Rückgang der Inflation einzupreisen. Bei einer hartnäckigeren Inflation könnte die Kurve dagegen steiler werden.

Wenn Sie an das eine oder andere Szenario glauben, können Ihnen ETFs eine kostengünstige Möglichkeit bieten, diese Überzeugung auszudrücken. Es gibt börsengehandelte Fonds, die auf bestimmte Laufzeiten von Schatzanleihen oder anderen Staatsanleihen ausgerichtet sind, aber auch solche, die das gesamte Laufzeitenspektrum abdecken. Anleihen mit kürzeren Laufzeiten reagieren in der Regel weniger stark auf Zinsänderungen als länger laufende Anleihen. Anleger müssen jedoch auch die Art der Anleihen in ihrem Portfolio und die Korrelationen, also die Interaktion zwischen diesen Anleihen berücksichtigen.

ESG bei Anleihen-ETFs zunehmend etabliert

Bei Anleihenindizes – und den ETFs, die es anstreben, sie nachzubilden – werden noch nicht sehr lange ESG-Filter und -Screening-Methoden angewendet. Die jüngsten Zuflüsse zeigen jedoch, dass diese ETFs zunehmend gefragt sind – ein Trend, von dem wir erwarten, dass er sich im neuen Jahr fortsetzen wird. Die meisten dieser Mittelzuflüsse betreffen Investment-Grade-Titel (6) und entwickelte Märkte, in denen der Zugang zu ESG-Daten einfacher ist.

Eine der Hürden bei der Erstellung eines ESG-Indexes besteht darin, keine inakzeptablen Renditeeinbußen hinnehmen zu müssen. Dies gilt umso mehr, als die Renditen ohnehin schon so niedrig sind. Höhere Renditen sind in der Regel bei Emittenten mit geringerer Qualität oder in Branchen wie der Tabakindustrie zu finden, die ein verantwortungsbewusster Anleger im Allgemeinen ausschließen möchte. Ein ESG-Index kann daher qualitativ hochwertigere Titel mit geringeren ESG-Risiken enthalten, dadurch aber eine geringere Gesamtrendite als der Standardindex aufweisen. Wir glauben, dass hier im Jahr 2022 ein wichtiger Schwerpunkt liegen wird, da die ETF-Anbieter permanent an Produkten arbeiten, die bessere Ergebnisse für ESG-Anleger ermöglichen.

Fazit

Das neue Jahr wird vielleicht neue Fragen aufwerfen. Unserer Ansicht nach bieten Anleihen-ETFs jedoch weiterhin viele Lösungen, die helfen können, diese Fragen zu beantworten. Wir gehen davon aus, dass Anleihen-Kerninvestments im Jahr 2022 einen beträchtlichen Teil der Mittelzuflüsse auf sich vereinen werden. Viele Anleger dürften jedoch Produkte bevorzugen, die ESG in ihrer Methodik berücksichtigen. Außerdem glauben wir, dass Investoren zu Diversifikationszwecken (7) oder für potenziell höhere Renditen auch verstärkt andere Segmente des Anleihenuniversums in Betracht ziehen werden.

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Fussnoten:

(1) ETFs sind Börsengehandelte Indexfonds

(2) Die Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (Environment, Social, Governance) und im Allgemeinen ihre Bedeutung in Bezug auf ein Unternehmen. Diese drei wesentlichen Faktoren werden häufig eingesetzt, um die Nachhaltigkeit und die sozialen Auswirkungen von Anlageentscheidungen zu bewerten.

(3) Die Duration ist die Bindungsdauer des in einem festverzinslichen Wertpapier oder Wertpapiervermögen angelegten Kapitals. Das Kreditrisiko ist das Risiko eines Kreditgebers vom Schuldner nicht rechtzeitig Zins- und Tilgungszahlungen zu erhalten.

(4) Eine Abflachung der Zinskurve tritt auf, wenn sich Zinssätze sowohl für lang- als auch für kurzfristige Anlagen einander annähern.

(5) Investment Grade ist ein Hinweis auf eine hohe Bonität (niedrige Ausfallwahrscheinlichkeit) basierend auf der Einstufung von Rating-Agenturen. Von Investment Grade spricht man bei Anleihen von Unternehmen mit einem Rating von mindestens BBB (Standard and Poor’s) oder mindestens BAA (Moody’s).

(6) Diversifikation ist die Streuung des Risikos und der Anzahl potenzieller Anlagegelegenheiten über verschiedene Anlageklassen wie Aktien, festverzinsliche Wertpapiere und Rohstoffe hinweg. Das Ziel der Diversifikation besteht darin, das Gesamtrisiko im Portfolio zu verringern, wobei dieses nicht völlig eliminiert werden kann.

Wesentliche Risiken

Der Wert einer Anlage und die Erträge hieraus können sowohl steigen als auch fallen und es ist möglich, dass Anleger den ursprünglich angelegten Betrag nicht zurückerhalten.

Wichtige Informationen

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